Verhalten
Körpertemperatur
Bartagamen sind, wie alle Reptilien, wechselwarm. Das bedeutet, sie
können nicht, wie beispielsweise die Säugetiere, ihre eigene
Körpertemperatur regulieren. Die geringe, durch Stoffwechselvorgänge
erzeugte Wärme entweicht rasch wieder über die Haut.
Sie sind direkt von der Umgebungstemperatur abhängig und diese
bestimmt ihre Vitalität. Im Normalfall gleicht sich die
Körpertemperatur der Echse der Umgebungstemperatur an.
Frühmorgens, nach einer kühleren Nacht, sind die Tiere mehr oder
weniger unbeweglich und müssen ihren Körper erst aufwärmen.
Sie suchen dazu einen erwärmten Platz auf, bzw. suchen das
Sonnenlicht auf.
In der Natur ist dies eine gefährliche Zeit für das Reptil,
da es sich bei niedriger Temperatur nur sehr langsam fortbewegen
kann und somit für seine natürlichen Feinde in Form von Vögeln und
Säugetieren, die nicht unter dieser Problematik leiden,
eine leichte Beute darstellt.
Auch die Körperfärbung ist von der Umgebungstemperatur abhängig.
Sind die Bartagamen noch kühl, zeigen sie ein eher dunkles Farbkleid,
was ihnen hilft, die auftreffende Sonneneinstrahlung besser in Wärme
umzuwandeln.
Haben die Tiere ein bestimmte Zeit in der Sonne bzw. unter der
Beleuchtung gelegen, ändert sich auch die Körperfärbung und es
erscheinen mehr ocker/gelbe Farbtöne.
Eine weitere Strategie der Bartagamen zur Erhöhung Körpertemperatur
ist es, den Rücken abzuflachen und auszubreiten, um so die Oberfläche
zu vergrößern, die dann die wärmende Strahlung aufnehmen kann.
Tagsüber verlangen Bartagamen im Terrarium Temperaturen zwischen
25° und 30°.
An Sonnenplätzen sollten noch höhere Temperaturen bis etwa 40°/45°
herrschen, um den im natürlichen Verbreitungsgebiet der Bartagamen
vorkommenden Temperaturen gerecht zu werden.
Wichtig ist, im Terrarium verschiedene Temperaturzone herzustellen,
so dass die Bartagamen im Falle einer zu starken Erwärmung auch einen
kühleren Platz aufsuchen können.
Da für Bartagamen allerdings bei artgerechter Pflege sehr große
Behälter eingesetzt werden, die auch über eine entsprechende Höhe
verfügen, sollte das Problem der Überhitzung aber gering sein.
Während der Wintermonate (Dezember, Januar) kann die Temperatur etwas
gesenkt und die Dauer der täglichen Beleuchtung reduziert werden,
was dem Biorhythmus der Tiere etwas entgegenkommt.
Die Tiere fressen dann weniger, bzw. stellen das Fressen ein.
Schwache Tiere und Jungtiere sollten jedoch bei durchgehend warmen
Temperaturen überwintern, um einen weiteren Gewichtsverlust zu
vermeiden.
Sozial-Verhalten
Männliche Tiere beziehen in der Natur, sowie im Terrarium Reviere,
die sie gegen Eindringlinge verteidigen. Das spielt besonders in der
Terrarienhaltung eine große Rolle, da unterlegene Männchen hier nicht
die Möglichkeit zu einer wirklichen Flucht haben. Daher sollte man nicht
mehrere männliche Tiere in einem Terrarium miteinander
vergesellschaften, es sei denn, man kann den Bartagamen ein Terrarium
mit einer Grundfläche von mehreren Quadratmetern bieten.
Unterdrückte, gestresste Tiere entwickeln sich nicht gut und sind
krankheitsanfälliger.
Ein erkranktes Tier ist eine Gefährdung für die gesamte Gruppe, da unter
den beengten räumlichen Verhältnissen in einem Terrarium Krankheiten
sehr schnell zur Ansteckung führen.
Wenn unterdrückte Männchen nicht mehr ans Futter kommen oder unter
permanentem Dauerstress stehen, sollte man die Tiere trennen.
Ist das Terrarium groß genug, kann man sehr gut ein Männchen mit
mehreren Weibchen vergesellschaften.
Zieht man eine größere Gruppe Jungtiere groß, wird sich spätestens mit
Beginn der Geschlechtsreife ein männliches Tier zum Alphatier entwickeln
und es entsteht eine feste Hierarchie, wie man dies auch von zahlreichen
anderen Tierarten kennt.
Entfernt man dieses Alphamännchen wird in kurzer Zeit das in der
Hierarchie an zweiter Stelle stehende Männchen den Platz des Alphatieres
einnehmen usw.
Die Alphatiere sind zumeist kerngesund, prächtig entwickelt und sehr kräftig.
Für ein ausgewachsenes Bartagamen-Männchen ist es ein Kinderspiel,
ein Terrarium mit einem Bruttovolumen von etwa 1000 Litern zu
kontrollieren und ein zweites Männchen wird sich nicht dauerhaft
etablieren können.
Unterlegene Männchen tarnen sich oft als Weibchen indem sie
Verhaltensmuster der weiblichen Tiere übernehmen, um den
Aggressionstrieb des dominanten Männchens zu beschwichtigen.
Körpersprache
Bartagamen zeigen auffällige Verhaltensmuster im innerartlichen
Umgang.
Dazu gehört das Abspreizen und Dunkelfärben des „Bartes“, das
„Winken“ mit den Vorderbeinen, das Aufreißen des Mauls und
das Kopfnicken.
In der Regel neigen die männlichen Tiere häufiger zum Kopfnicken.
Dies dient der Reviermarkierung und kann als Imponierverhalten gewertet
werden.
Weibliche Tiere reagieren häufig mit einer winkenden Bewegung
eines Vorderbeins. Dieses Ritual ist häufig im Terrarium zu beobachten.
Die Weibchen reagieren mit ihrem Verhalten auch auf eine etwas größere
Distanz auf das Kopfnicken eines Männchens.
Das Winken dient der Beschwichtigung und zeigt eine Unterwürfigkeit,
wenngleich kräftige Weibchen sich auch gut verteidigen können.
Das öffnen des Maules wird auch zum Zwecke der Kühlung vorgenommen.
Häutung
Bartagamen häuten sich, wie alle anderen Reptilien auch,
in regelmäßigen Zeitabschnitten.
Die Häutung erfolgt nicht, wie bspw. bei Schlangen, an einem Stück,
sondern die Haut löst sich jeweils nur in Teilbereichen ab.
Durch regelmäßiges Übersprühen und baden in warmem Wasser kann man
den Tieren die Häutung erleichtern.
Auch ist eine starke UV-Bestrahlung für die Häutung förderlich.
Erwachsene Bartagamen häuten sich in zeitlich größeren Abständen
wie junge Tiere.
Normalerweise ist eine Hilfe bei der Häutung nicht notwendig, da in
der Natur auch keine helfende Hand bei der Häutung eingreift.
Im Terrarium kann man den Tieren aber völlig gelöste Hautfetzen
vorsichtig entfernen.
Auch scheuern sich die Tiere an Ästen um sich der Hautfetzen
zu entledigen.
Oft kann man beobachten, wie die Tiere anschließend ihre
eigene Haut fressen.
|
Allgemein
Andere
Systematik
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Echsen (Lacertilia)
Teilordnung: Leguanartige (Iguania)
Familie: Agamen (Agamidae)
Gattung: Bartagamen
Wissenschaftlicher Name
Pogona vitticeps
|